DER GESTIEFELTE KATER

Kritik

Kater auf Erfolgskurs:
Viel Applaus für den gestiefelten Kater im Kulturstadl BAYREUTH

(Nordbayerischer Kurier vom 02.11.2004)
Von Eva Bartylla

Gewieft, temperamentvoll, äußerst erfolgreich und dennoch unglaublich sympathisch: Das alles trifft auf eine Person zu, die sich in den nächsten Wochen häufig im Brandenburger Kulturstadl sehen lässt. Und dabei handelt es nicht um einen Manager (die sind ja bekanntlich alles andere als erfolgreich), sondern um einen Kater. Den gestiefelten nämlich.

Anne Lips hat sich das Märchen der Gebrüder Grimm vorgeknöpft und für die Bühne zurechtgestutzt. Herausgekommen ist ein höchst unterhaltsames, spritziges Stück für Kinder und alle, die jung geblieben sind.

Vor allem der Kater hatte es dem Publikum bei der ersten Premiere angetan. Manuela Michailidis (insgesamt gibt es drei wegen der Dreifachbesetzung der Hauptrollen) machte den Auftakt als Kater. Weiter folgen Susanne Grömer und Tanja Ruscher. Die werden es nicht leicht haben bei dieser Vorgabe durch Michailidis. Ihr Kater kam derartig fetzig und leidenschaftlich rüber, dass es an Bravorufen nur so hagelte.

Kein Wunder, dass Schnurrimurriburridurri, so heißt das Tier, für seinen Herrn, den Müllersohn Daniel (David Friedrich/Ronny Schuster), Prinzessin (allerliebst: Nicole Hofmann/Christiane Rebhahn) und Schloss erobert. Dazu hat er Daniel kurzerhand zum Grafen erkoren und dem bösen Zauberer Nickinackischnuckiducki (Gerlinde Schmidt/Waltraud Spahn, Sonja Schönheiter) mit bösen Tricks das vornehme Zuhause abgeluchst.

Anne Lips hat ihr Regiedebüt im Stadl ganz konventionell und sauber im Detail absolviert. Zusammen mit Michael Hübner und Frank Popp hatte sie ein Bühnenbild kreiert, das originell und höchst variabel schnelle Veränderungen erlaubt und für alle Eventualitäten des Stückes, ob Schloss oder See, geeignet ist. Dazu erleichterte ihr eine wie stets hochmotivierte und gut disponierte Spielerschar sicher die Arbeit.

Die Rollen der Hauptpersonen sind zwei- oder dreifach besetzt, weil in der Vorweihnachtszeit der Kulturstadl mit seinem Märchen von Grundschulen und Kindergärten so oft besucht wird, dass eine Person damit völlig überfordert wäre. Deshalb gibt es auch am kommenden Samstag bereits die zweite und in der darauf folgenden Woche die dritte Premiere.