DIE TÜR MIT DEN SIEBEN SCHLÖSSERN
Kritik
Gruselig blutige Premiere von "Die Tür mit sieben Schlössern"
Nordbayerischer Kurier vom 09. Mai 2011
Von Eva Bartylla
Sieben Schlösser, sieben Leichen. So blutig ging es auf den Brettern des Brandenburger Kulturstadls selten zu. Und selten haben sich die Zuschauer so wohlig hautnah gegruselt wie bei der Kriminalparodie "Die Tür mit sieben Schlössern": Die erste Leiche saß mit dem (flexiblen Plastik-) Messer im Rücken unerkannt im Zuschauerraum. Mit Hut und etwas schlaff zwar, aber wer achtet schon auf seinen Nachbarn, vor allem, wenn der desinteressiert im Trenchcoat pennt. Schlag auf Schlag hagelte es humoristisch einfallsreiche Gags. Besucher ließen sich nicht lange bitten, füllten feixend fehlende Statistenrollen.
So witzig, so entspannend kann Mord in der besten Gesellschaft boshafter, dummer Menschen sein. Gerald Hacker überzeugt mit seiner Inszenierung von "Die Tür mit den sieben Schlössern", einer Parodie auf Edgar Wallace von Alexander Liegl und Gabriele Rothmüller, mit einem neunköpfigen, hochmotivierten Ensemble. Sechs von ihnen schlüpfen in jeweils zwei Rollen diametral angelegter Charaktere mit affenartiger Geschwindigkeit.
An Nachwuchs mangelt es dem Stadl offenbar nicht. Der Bazillus der Spiellust springt in der Stadlfamilie blitzschnell über. Eine einwandfreie Epidemie. Da wäre Emily alias Janin Fischer. Sie spielt erst zum zweiten Mal. Die tragende Rolle der Sekretärin von Inspektor Martin mimt sie mit viel Mut zur Hässlichkeit. Bei einer so schönen, gut gebauten Frau eine ganz eigene Erfahrung. Sie hat die Lacher und die Aufmerksamkeit von der ersten bis zur letzten Minute ganz. Auch als Teufel mit knallroten Overknees und zwei Hörnchen auf der Perücke. So komisch kommt kein Zweiter. Stefan Schuster allerdings managt seine Parts als trotteliger Bruder der verbrecherischen Belinda Cody genauso souverän wie den des zwielichtigen Dr. Antonio Staletti. Der lehrt als Frankenstein-Abklatsch mit seinen lächerlichen Homunkulus-Versuchen das törichte Fürchten.
Als Newcomer und Greenhorn beim Stadl versprüht Sven Jakob als schusseliger Inspektor Martin und zwielichtiger Lew Pheeney den Charme eines George Clooney, heruntergebrochen auf Bayreuther Verhältnisse. Immerhin erliegt diesem quasi sogleich und völlig Sonja Niedl als Sybill Landsdown. Dieses unbedarft hilflos erscheinende Frauenzimmer hat es so faustdick hinter den Ohren, dass der Zuschauer bis zum dicken Ende keine Ahnung hat von der Monsterhaftigkeit dieser biederen Teetrinkerin. Susanne Rebhahn wandelt sich Staccato von der strahlenden Szenenansagerin zum messermordenden, ferngesteuerten Androiden. Furchterregend, wie sie mit unwirklich aufgerissen, glotzenden Augen ins Publikum starrt. Undurchsichtig in beiden Rollen scheint Waltraud Spahn als Anwältin Clarissa Havelock tatsächlich eine Gute zu sein. Aber Achtung! Nichts ist, wie es scheint in diesem Stück. Nicht einmal der Bühnenarbeiter Jeffrey Hopes , der auf offener Bühne die diversen Umbauten vornimmt. Er wird auch als (fehlender) Toter für eine makabere Leichenschau missbraucht. Reinhard Frank fällt als kahlköpfiger, blauäugiger Bobby ständig in Ohnmacht und verbreitet Angst und Schrecken als Henker von London
Düster und sehr unübersichtlich, so kommt die Krimiklamotte daher. Und weil das die Leute lieben, übertreiben die Stadler heftig. In den Griff zu bekommen versucht dies Ilka Boy als bühneninterne Regisseurin. Um das kriminelle Knäuel zu knacken, ist dies nicht der richtige Platz. Das sollte vor Ort geschehen. Dazu wird ein höchst vergnüglicher, entspannender Abend garantiert. Allerdings: Einige Längen müssen einkalkuliert werden. Und ein Schluss hinter dem Schluss, der nun wirklich nicht hätte sein müssen. Die Verwirrung ist ohnehin groß genug.







