OTELLO DARF NICHT PLATZEN

Kritik

Laut und leidenschaftlich - Entzücktes Publikum bei "Otello darf nicht platzen"

Nordbayerischer Kurier vom 17. Januar 2011
Von Christina Knorz


Neue Lach- und Liebesgeschichten hat der Brandenburger Komödienstadl - wie er ohne weiteres auch heißen könnte - seit Samstag im Programm: "Otello darf nicht platzen" ist ein Klassiker der Lach-dich-schief- Literatur, sauber gearbeitet von Yvonne Knarr und Gordian Beck mit viel Anzüglichem, auch Auszüglichem, und einer agilen Besetzung.

Otello darf nicht platzen

Dem nervösen Regisseur sah man den Parforceritt der letzten Proben an. Bei der Premiere hatte er aber keinen Grund, zähnefletschend von der Technikempore auf die Bühne zu springen, um seine Spieler zum überlebenswichtigen Komödien-Tempo zu peitschen. Nein, sie sprangen von alleine, warfen Türen, jagten sich von Zimmer zu Zimmer und die skurrile Handlung bis zu jenem absurden Höhepunkt, an dem das Publikum schon bereit ist zu lachen, sobald nur eine Person die Bühne betritt. Denn der italienische Star-Tenor (Martin Scholti) ist unpässlich, der Operndirektor (im zweistündigen Dauerfortissimo: Frank Hofmann) droht durchzudrehen, aber Rettung naht in Gestalt des Hausfaktotums Max (Ronny Schuster), der den (Weiber-)- Held nicht nur auf der Bühne ersetzen wird - denn auf den Star hat es eine Horde zunehmend dreister werdender Frauen abgesehen (Susanne Grömer, Simone Leykauf, Inga Schröppel und Kathrin Friedrich).


Die ausgelassene Heiterkeit des - in der Regel gnädigeren - Premierenpublikums hatte drei gute Gründe: Manuela Zettner, Ronny Schuster und Martin Scholti! Ein Wirbelwind an italienischer Leidenschaft und Exzentrik von Zettner und Scholti drückte die Zuschauer bei den lautstarken Ehestreitereien rückwärts in die Sitze. Zettner gab die eifersüchtige Italienerin, stilecht mit Riesen- Sonnenbrille, gegelten Fransen und strahlendem Lachen, als zeternde Schönheit (Applaus!), Schusters Mimik-Marathon und fahrig-feminine Gestik vor allem im Kontrast zum Macho-Mimen Scholti war ein liebenswerter Lacherfolg.

Dass das Timing nach der Pause nicht mehr perfekt war, ist schade, aber sicher bei den weiteren Terminen ohne Probleme auszumerzen. Komödienfreunden also empfohlen am 21./22. und 29. Januar oder 4./12. und 16. Februar. Das Stück steht bis Anfang April auf dem Spielplan des Kulturstadls.