OTELLO DARF NICHT PLATZEN

Vorbericht

Der Tenor ist unpässlich
Beschwingter Start ins neue Theater-Jahr:
Kulturstadl zeigt die Komödie "Otello darf nicht platzen"

Nordbayerischer Kurier vom 12.01.2011
Von Heike Fauser

Ganz Bayreuth steht Kopf - und das ausnahmsweise mal nicht zur Festspielzeit. Schuld daran ist Startenor Tito Merelli mit seinem Auftritt als Lohengrin im Opernhaus. Tito wer? Tito Merelli, der derzeit angesagteste Sänger aus Italien, ist zugegeben in der wahren Opernwelt durchaus keine Größe, spielt dafür aber in dem Stück "Otello darf nicht platzen", das am Samstag, 15. Januar, um 20 Uhr im Kulturstadl Premiere feiert, eine ganz entscheidende Rolle. Der amerikanische US-Autor Ken Ludwig schrieb die Farce unter dem Titel "Lend me a Tenor". Schnell avancierte die Posse, die mittlerweile in über 20 Ländern übersetzt wurde, zum Kassenschlager. Dass es auch in Bayreuth ein Erfolg wird, ist zu hoffen. Denn die Idee, der Boulevardkomödie einen lokalen Bezug zu geben, macht das Stück unter der Regie von Gordian Beck und Yvonne Knarr noch sehenswerter.

In Ken Ludwigs Originalversion spielt die Geschichte an einer Oper in Cleveland, und statt Wagners "Lohengrin" wird Verdis "Otello" gesungen. Bis auf Schauplatz und Musik ließen Beck und Knarr die Story weitestgehend unverändert: Der italienische Startenor (Martin Scholti) und Herzensbrecher Tito Merelli kündigt sich also für ein Gastspiel im Bayreuther Opernhaus an. Während sich Intendant August Hämmerling (Frank Hofmann) akribisch um die Vorbereitungen kümmert, fiebert Tochter Gloria (Inga Schröppel) eifrig der Ankunft ihres Schwarms entgegen. Nur Hausangestellter Max (Ronny Schuster) hat für den Trubel kein Verständnis. Der eifersüchtige Diener hat zum einen ein Auge auf die schöne Gloria geworfen, zum anderen ist er sich seiner Gesangskunst absolut sicher. Warum einen hoch dotierten Opernstar holen, wenn er?s doch genauso gut hinbekommt? Max wittert seine Chance, als sich bei Merelli eine Magenverstimmung ankündigt. Ein Medikamentencocktail scheint den Tenorsänger dann endgültig außer Gefecht zu setzen. Für den cholerischen Hämmerling bricht eine Welt zusammen, denn der Intendant hat keinen Ersatz vorbereitet. Noch nicht.

Es sind die vielen Verwechslungen, Verfolgungsjagden und Anzüglichkeiten in "Otello darf nicht platzen", die beim Publikum garantiert für Lachsalven sorgen werden. Ganze zwei Stunden geballte Slapstick-Komik, die aber nie wirklich langweilig wird, oder gar völlig überzogen daherkommt. Im zügigen Tempo lassen die Regisseure Beck und Knarr ihre insgesamt achtköpfige Besetzung über die Bühne hetzen. Dem zynischen Max und seinem hitzköpfigen Sidekick Hämmerling treibt das bisweilen einige Schweißperlen auf die Stirn. Wer buchstäblich vor Lachen platzen will, sollte Ken Ludwigs preisgekrönten Broadway-Klassiker nicht verpassen.